1885-2010 - 125 Jahre Feuerwehr Tengen

2010 feiert die Freiwillige Feuerwehr Tengen ihr 125-jähriges Bestehen.

1885

Fahnenweihe 26. Juli 1896
Fahnenweihe 26. Juli 1896

Das Protokollbuch der Gründerjahre ging aller Wahrscheinlichkeit nach in den Nachkriegswirren verloren. Zahlreiche Unterlagen sind jedoch in den Archiven der Stadt über den Aufbau und die Ausstattung der Feuerwehr vorhanden. In den Rechnungsakten des Jahres 1885 finden wir folgenden Auszug aus dem Gemeinderatsbeschluss: "Die Statuten über die Freiwillige Feuerwehr werden hiermit ihrem ganzen Umfang nach genehmigt. Ebenso auch die gewählten Hauptleute.

Der Wagen an der alten Schlauchspritze soll zur neuen Spritze verwendet und der von der neuen Spritze zur alten Spritze verwendet werden.

Da die Gemeinde die Röcke der Feuerwehrleute, die jetzt eingetreten sind, anschafft, wird bestimmt:

Tritt ein Mitglied das erste oder zweite Jahr aus , so hat er der Gemeinde 10 Mark zu ersetzen – d.h. in die Corpskasse.

Tritt er im dritten Jahr aus, so hat er 6 Mark zu bezahlen.

Wenn ein Mitglied zum stehenden Heer einberufen wird, so hat er der Gemeinde postwendend den Rock in gutem Zustande abzugeben. Wird der Rock in verdorbenem Zustande abgegeben und vom Verwaltungsrat nicht gutgeheißen, so hat derselbe 10 Mark an die Corpskasse zu bezahlen.

Das Führen der neuen Feuerspritze wird dem Konstantin Weber übergeben. Derselbe hat, wenn er auf eine andere Gemarkung kommt, 12 Mark, ansonsten aber außerhalb des Orts, 6 Mark anzusprechen. Im Verhinderungsfalle hat Fridolin Bickel seine Stelle zu übernehmen.

Es wird bestimmt, dass einem Fuhrwerk zur Verbringung der Feuerlöschgeräte und der Steigermannschaft auf eine auswärtige Brandstelle 8 Mark genehmigt werden."

Am 15. Mai 1885 wurde bereits der Gemeinderatsbeschluss Nr. 17 Ziff. 4 abgeändert. In diesen Protokollen ist folgendes aufgeführt:

  1. Tritt ein Feuerwehrmann aus dem Corps aus oder wird er wegen Disziplinarvergehen ausgeschlossen, so hat er an die Gemeindekasse für den Rock 16 Mark zu ersetzen. Der Gemeinderat hat den Grund des Austritts zu prüfen und zu beraten, wenn er es für nötig findet, den Ersatz je nach Umständen festzusetzen.
  2. Sämtliche Mitglieder haben, wenn sie in 3 Jahren aus dem Corps austreten, den Rock an die Gemeindekasse abzugeben.
  3. Ist die Zahl der aktiven Feuerwehrmitglieder bis auf 60 Mann gestiegen, so haben die Neueintretenden die Röcke auf ihre Kosten selbst anzuschaffen.

Am 18. Januar 1885 wurde bei der Firma Gebr. Blersch in Überlingen eine Saugfeuerlöschspritze bestellt, die in allen Teilen den Vorschriften des Badischen Ausschusses für Feuerlöschwesen entsprechen musste. Die Ausstattung und der weitere Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr gestaltete sich nicht ganz einfach. Das Großherzogliche Bezirksamt Engen stellte am 18. Mai aufgrund der Ortsbereisung in Tengen folgendes fest:

  • Den Hahn an der einen defekten Feuerspritze neu anschaffen zu lassen.
  • Zwei weitere Schlüssel zum Spritzenhaus fertigen zu lassen.

Der Vollzug dieses Auftrages ist anzuzeigen und wir erwarten zugleich eine Äußerung über den Ort und die Art der Aufbewahrung der Schlüssel.

1897

Feuerlöschspritze Baujahr 1845
Feuerlöschspritze Baujahr 1845

1897 beantragte Engen einen Beitrag zu Feuerlöschgeräten vom Verwaltungsrat der Landesfeuerwehrunterstützungskasse. In dem Schreiben der Stadt vom 9. Mai 1897 wurde unter anderem aufgeführt, dass die Gemeinde Tengen im Jahre 1876 die erste Hochdruckwasserleitung im Amtsbezirk Engen erstellt hat. Das Hochreservoir hatte einen Nutzinhalt von 45 cbm, eingebaut wurden 16 Hydranten.

1899

Feuerlöschspritze
Feuerlöschspritze

Die Freiwillige Feuerwehr Tengen richtete am 6. Februar 1899 an den wohllöblichen Gemeinderat von Tengen die Bitte, An-schaffungen und Verbesserungen der Löschgeräte vorzunehmen. Eine von der Feuerwehr gebildete Kommission stellte fest, dass die vorhandene Feuerspritze 32 Mann zur Bedienung erforderte. Es wurde gefordert, eine neue Spritze nach der 1899 neuen Technik zu beschaffen. Weiterhin wurde gebeten, dass die Spritzenhäuser in Tengen Dorf und Stadt nur zum Zweck der Unterbringung der Löschwassergerätschaften dienen sollten. Am 3. September 1899 erhielt die Freiwillige Feuerwehr die Nachricht, dass auch die Stadt die Anschaffung einer neuen Spritze als Bedürfnis anerkannte – nur konnte im Jahre 1899 dies nicht mehr geschehen, da die hierfür nötigen Geldmittel nicht in den Voranschlag aufgenommen werden konnten.

1900

Großbrand Ökonomiegebäude um 1920
Großbrand Ökonomiegebäude um 1920

Mit Datum vom 2. August 1900 teilte der Verwaltungsrat der Landes-Feuerwehrunterstützungskasse dem Gemeinderat Tengen mit, dass für die Spritze, die durch den Sachverständigen H. Ruof in Konstanz geprüft wurde, eine Beihilfe von 500 Mark gewährt wird.

1910

Am 17. Juli 1910 wurde das 25-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Tengen gefeiert. Aus dem Einladungsschreiben geht hervor, dass ein großer Schaden in der Gemeinde Tengen durch die Hagelwetter am 6. und 10. Juni entstanden ist. Die Heuernte war am 12. Juli 1910 wegen der ungünstigen Witterung noch nicht eingebracht, so dass die Feuerwehr das Jubiläumsfest nur in einem engen Rahmen abhielt.

1923

1923 wurde in der Badischen Feuerwehrzeitung die Lieferung von Feuerwehr-Joppen und Arbeitshosen ausgeschrieben. Eine Feuerwehr-Joppe, einreihig mit Umlegekragen, Ärmel und Vorderteil rot passepoiliert, gefüttert, wurde in bester Tuchqualität zum Preis von 117,20 Mark angeboten. Die Schneiderei bat die Stadt, das beiliegende Muster nach Gebrauch zurückzugeben, da dies einen größeren Wert darstellte.

1925

Freiwillige Feuerwehr Thengen 1925
Freiwillige Feuerwehr Thengen 1925

Das Badische Bezirksamt in Engen berichtete am 7.11.1925 den Gemeinden, dass die Stadt Engen nunmehr eine Automobil-Feuerspritze besitzt. Aufgrund der staatlichen Unterstützung war die Stadtgemeinde Engen verpflichtet, im Falle der Feuernot den Gemeinden des Bezirks damit Hilfe zu bringen.

Vom 11. bis 13. Juli 1925 beging die Freiwillige Feuerwehr Tengen das Fest des 40-jährigen Bestehens. In dem gedruckten Einladungsschreiben wurde darauf hingewiesen, dass man schon im Jahre 1880 in Tengen mit dem Gedanken umging, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Von 1885 bis zu diesem Jubiläumsfest wurde die Wehr von Jahr zu Jahr stärker.

1937

Erstes Feuerwehrfahrzeug 1937
Erstes Feuerwehrfahrzeug 1937

1937 beschaffte die Gemeinde Tengen ein Daimler-Benz-Fahrzeug mit dem polizeilichen Kennzeichen Pol.-14 822. Die Motorenleistung betrug 45 PS.

1942

Am 28. November 1942 wurde ein schweres Löschgruppenfahrzeug des Typs L 3000F mit 80 PS Dieselmotor bestellt. Es wurde erklärt, dass bei der Lieferung dieses neuen Fahrzeuges auf Verlangen der Gemeinde Tengen das dort vorhandene LG-Fahrzeug mit Mercedes-Benz LKW-Fahrgestell übernommen wird. Am 4.3.1943 wurde dem Landrat in Konstanz mitgeteilt, dass diese Bestellung aufgrund des Anratens des Kreisfeuerwehrführers erfolgte. Bei verschiedenen Bränden wurde festgestellt, dass das derzeitige Fahrzeug der Feuerwehr Tengen bei der Überlandhilfe den enormen Steigungen des Randengebietes in keiner Weise entspricht. Das Fahrzeug (Baujahr 1937) dagegen war für den örtlichen Einsatz ausreichend. Mit gleichem Datum wurde festgehalten, dass das Fahrzeug zur Auslieferung nicht freigegeben wurde.

Dieses erste Löschfahrzeug, Baujahr 1937, wurde nach Ende des zweiten Weltkrieges von den Besatzungsmächten beschlagnahmt und mitgenommen. Die Freiwillige Feuerwehr Radolfzell bot einen Anhänger für die Tragkraftspritze um den Gegenwert in Holz von 650,- Reichsmark an. Die Feuerwehr Tengen konnte dieses Angebot nicht annehmen, da für die Gegenlieferung, selbst für den örtlichen Bedarf, kein Brennholz zur Verfügung stand.

1946

Eine Tragkraftspritze und ein Transportwagen konnte bei einer Karlsruher Feuerlöschgerätefabrik im Jahre 1946 erworben werden, nachdem in Tengen seit Kriegsende keinerlei Löschgeräte vorhanden waren.

Von den französischen Besatzungskräften erhielt die Stadt ein stark beschädigtes deutsches Feuerwehrfahrzeug (LF 15), das der Luftschutz in Gebrauch hatte. Es musste zuerst renoviert werden.

1949

LF 15, Baujahr 1951
LF 15, Baujahr 1951

Zum Einbau in das beschaffte Löschfahrzeug wurde von der Stadtgemeinde Stockach eine Autopumpe zum Preis von 1.750,- DM am 25. Januar 1949 erworben. Am 19. April 1949 teilte die Gemeinde Tengen der Stadtverwaltung Stockach folgendes mit: "Nachdem nun diese Pumpe endlich in das betreffende Fahrzeug eingebaut war, stellte sich heraus, dass diese rückwärts lief und somit eine Vorbaupumpe sein muss. Wir können deshalb diese Pumpe leider nicht gebrauchen. Beim seinerzeitigen Verkaufsabschluss wurde die Vereinbarung getroffen, dass sich die Pumpe für unser Fahrzeug eignen müsse, was nun zu unserem Bedauern nicht der Fall ist. Bei nächster Gelegenheit werden wir Ihnen deshalb dieselbe zurückbringen und erbitten sodann den Betrag wieder zurück."

Die Stadtverwaltung Stockach lehnte am 4. Mai 1949 mit folgender Begründung ab: "Die Pumpe, welche aus dem Motorspritzenfahrzeug LF 15 der Gemeinde Stockach stammt, ist eine solche, welche hinten am Fahrzeug eingebaut ist." Eine Fachfirma stellte dann fest, dass die von Tengen erworbene Feuerwehrpumpe nur in ein Original-Opel-Fahrzeug passt. Die Stadt Stockach nahm daraufhin die Pumpe zurück und erstattete den bezahlten Betrag.

1951

Wettkampf anlässlich des Kreisfeuerwehrtags 1954 in Tengen
Kreisfeuerwehrtag 1954 in Tengen

1951 wurde ein neues LF 15 Daimler-Benz-Fahrzeug erworben. Die Unterbringung erfolgte im Geräteraum in Tengen-Dorf, der sich im Farrenstallgebäude befand. Einige Zeit später wurde eine Anhängerleiter (AL 18) erworben. Bereits 1940 war die Freiwillige Feuerwehr Tengen aufgrund ihrer Ausstattung für die umliegenden Gemeinden des Randenbezirkes zuständig und wurde in diesen Jahren zur Stützpunktfeuerwehr erklärt.

1974

Die Geräteausstattung entsprach am Ende der Sechziger Jahre nicht mehr den technischen Erfordernissen. 1974 wurden zwei neue Fahrzeuge erworben (TLF 16/25 und LF 16 TS). Auf dem Grundstück des Farrenstallgebäudes gab es keine weitere Möglichkeit, diese beiden neu beschafften Fahrzeuge abzustellen.

Die Unterbringung erfolgte deshalb in den Garagen der stadteigenen Gebäude (ehemaliges Farrenstallgebäude, Fa. Schiesser und Polizeigebäude Stadtstraße). Diese Unterbringung auf drei verschiedenen Räumlichkeiten innerhalb der Gemeinde brachte erhebliche Erschwernisse für die Feuerwehrmänner mit sich.

1975

Brand Tengener Baracke 1973
Brand Tengener Baracke 1973

Nach der gesetzlichen Gemeindereform im Jahre 1975 schlossen sich alle Feuerwehren der acht eingemeindeten Ortschaften Beuren a.R., Blumenfeld, Büßlingen, Talheim, Uttenhofen, Watterdingen, Weil und Wiechs a.R. zu einer Gesamtfeuerwehr zusammen, wobei jede Abteilungswehr selbständig blieb. Durch die Gemeindereform wurde der Bau eines neuen Rathauses notwendig. Der neue Gemeinderat legte fest, dass mit diesem Neubauvorhaben auch zugleich der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses realisiert werden soll. Bereits 1976 konnte die Freiwillige Feuerwehr Tengen in die neuen Räumlichkeiten einziehen. Die Finanzierung erfolgte aus Zuschüssen von Feuerwehrmitteln und aus der Brandentschädigung der 1973 abgebrannten Baracke in der Kalkgrube in Tengen.

Das Gerätehaus umfasste 6 große Fahrzeugboxen, Kommandantenraum, Unterrichtsraum, Duschen, WC-Anlagen, Lagerraum sowie eine Schlauchwaschanlage.

Bei vielen Bränden und Verkehrsunfällen, wie auch beim Unwetter 1975 im Randengebiet, waren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz, um den Mitmenschen zu helfen und bei Einsätzen Sachvermögen zu erhalten. Bei den großen Waldbränden in Niedersachsen (1976) wurde die Freiwillige Feuerwehr Tengen mit einem Fahrzeug (TLF 16) in der Nähe von Celle eingesetzt.

1978

1978 wurde erstmals ein Fahrzeug für die technische Hilfeleistung (RW 2) sowie ein Fahrzeug zum Mannschaftstransport (MTW) beschafft. Die Ausrüstung des Rüstwagens (RW 2) leistete wertvolle Hilfe bei Verkehrs- und Gefahrgutunfällen.

1980

Fuhrpark um 1985
Fuhrpark um 1985

Am 13.12.1980 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet. Erster Jugendwart war Georg Eichkorn.

1983

In den 80er Jahren mussten mehrere Großbrände bekämpft werden. Unter anderem wurde im Juli 1983 unser ehemaliges Gerätehaus inklusive Farrenstall ein Raub der Flammen.

1985

Aus den Beständen des Katastrophenschutzes Hamburg wurde am 14.08.1985 ein gebrauchter Unimog (TLF 8/8) gekauft, der für Waldbrände und Brände im Gelände beschafft wurde.

1986

Brand Alte Mühle Blumenfeld 1989
Brand Alte Mühle Blumenfeld 1989

Im August mussten innerhalb von zwei Tagen zwei Großbrände bekämpft werden. Dies waren Anwesen Brehm in der Buckstraße und Anwesen Rothfelder/Maus in der Rohrertalstraße.

1995

1995 wurde ein neuer Mannschaftstransportwagen in Dienst gestellt. Am 21.11.1995 kippte ein Tankzug beladen mit Sojaöl zwischen Tengen und Watterdingen um. Die Feuerwehr Tengen und der Gefahrgutzug Konstanz pumpten die Ladung um.

1997

Vom Katastrophenschutz des Landkreises Konstanz wurde 1997 ein Schlauchwagen für Wasserförderung über lange Wegstrecken (SW 2000 Tr) in Tengen stationiert.

2002

Unter großer Teilnahme der Bevölkerung wurden die im Dezember 2001 beschafften Löschfahrzeuge (LF 16/12 + LF 8/6) im Rahmen der Fahrzeugweihe am 10.03.2002 von Bürgermeister Helmut Groß an Stadtbrandmeister Wolfgang Veit übergeben. Dies waren Ersatzbeschaffungen für die in die Jahre gekommenen Fahrzeuge TLF 16/25, LF 16 TS sowie TLF 8/8.

2003

Brandübungscontainer 2003
Brandübungscontainer 2003

Durch großzügige Spenden von Firmen aus der Raumschaft Tengen konnte für den 31.05.2003 ein Brandübungscontainer zur Ausbildung der Atemschutzgeräteträger angemietet werden.

2007

Als Ersatz für den fast 30 Jahre alten RW 2 wurde 2007 ein neuer Gerätewagen Logistik - GW-L2 in Dienst gestellt.

2010

Aufgrund des 125-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Tengen wurde der 56. Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Konstanz vom 09. bis 12. Juli in Tengen ausgetragen. Tengen war bereits 1954, 1980, 1985 und 1996 Ausrichter des Kreisfeuerwehrtags.

Zum Jubiläum wurde ein neuer Einsatzleitwagen - ELW-1 übergeben.