1896 - Gedicht zum Feuerwehrfest in Thengen am 26. Juli

Feuerwehr Thengen um 1925
Feuerwehr Thengen um 1925

Wer übt das Werk der Nächstenliebe
Mit Opfersinn und Edelmut,
Aus solchem freien Herzenstriebe,
So, wie die Feuerwehr es thut?
Wer zieht der Nachts zur Unglücksstätte,
Wo wütend tobt ein Flammenmeer,
Auf das er Gut und Leben rette?
»Es ist die edle Feuerwehr.«

Wenn ringsumher ein Sturmgeläute
Des Nachts im Schauerton erschallt,
Und wenn das Feuer seine Beute
Dem Menschen raubt mit Allgewalt,
Wenn die Betroff´nen trostlos wimmern,
Wer strömt dann schnell zur Rettung her,
Daß wieder Hoffnungsstrahlen schimmern?
»Es ist die edle Feuerwehr.«

Wer stürzt sich dann noch in die Flammen,
Wenn Mütter um die Kinder schrei´n,
Wenn krachend stürzt das Dach zusammen,
Wenn Tod nur und Verderben dräu´n?
Die Mutter jammert, sie glaubt nimmer,
Daß Kindesrettung möglich wär,
Und wer entreißt das Kind den Trümmern?
»Es ist die edle Feuerwehr.«

Wer setzt dem wilden Feuer Schranken,
Beschützt des nächsten Hab und Gut,
Beseelt vom edelsten Gedanken,
Entflammt von hehren Heldenmut?
Es sind die Tapfern, die zum Feste
Herbeigeströmt, das schmucke Heer,
Es sind die ehrenwerten Gäste,
»Es ist die edle Feuerwehr.«

Drum steht heut´ da in schönster Zierde
Die alte traute Randenstadt,
Die ihren Gästen Ehr´ und Würde
Durch Festesglanz bereitet hat.
Dich grüße ich zur schönen Feier
Dich freundlich Thengen umsomehr,
Da deine Gäste mir so teuer:
»Es ist die edle Feuerwehr.«

Eduard Presser (1896)

Dieses Gedicht wurde uns von dem Hegau-Dichter Eduard Presser aus Riedheim
anläßlich des Feuerwehrfestes in Tengen am 26. Juli 1896 gewidmet.

Aufgrund des Alters dieses Gedichtes sind einige Schreibweisen heute so nicht mehr geläufig.